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Aktuelles Projekt: Atriumsgestaltung für die LHI

20. September 2010

Für die LHI Leasing GmbH konnte Hubertus Hamm – einer der Big Names der deutschen Fotografie – ein riesiges Atrium ausgestalten. Und er tat dies nicht mit Photographien!

Wenn man einen Fotografen bittet, eine Raumgestaltung zu entwickeln, so wird man überrascht sein, wenn sein Entwurf keine Fotos vorsieht, sondern Siegelflächen! Wohl niemand erwartete einen derartigen Vorschlag, als Hubertus Hamm seine Ideen für das Atrium der LHI GmbH vorstellte: Er wollte 15 Meter hohe geformte Edelstahlpaneele an den Wänden installieren, die nicht bedruckt oder farbig gestaltet sind, sondern lediglich reflektieren. “Transformationen” sollte das Projekt in diesem Stadium heißen und trotz, oder gerade wegen der unerwarteten Konzeption, konnte sich Hubertus Hamms Entwurf bei der Jury durchsetzen. Diese Entscheidung war sicher ein Wagnis, denn letztendlich konnte niemand wirklich sagen, wie das Ganze tatsächlich aussehen wird. Die Wirkung von 12 Meter hohen komplex geformten Spiegelflächen in einem Raum lässt sich weder simulieren noch erahnen. Und etwas Vergleichbares gab es noch nirgends zu sehen. Jeder war auf das Ergebnis gespannt.

Aber wie kommt ein Fotograf überhaupt auf die Idee, das Bild offen zu lassen, was wir sehen werden? Spiegelflächen zeigen uns nie ein fertiges Bild! Und ist es nicht gerade die Aufgabe des Fotografen uns das zu liefern, was wir als Bild erleben? Diese Stelle lässt Hubertus Hamm jedoch leer. Offenbar hat er eine völlig andere Herangehensweise als andere Fotografen. Nur welche ist das?

Wie so oft bei großen Projekten, hat bei Hubertus Hamm die Beschäftigung mit dem Thema bereits wesentlich früher begonnen. Er fand zum Thema “Spiegel” tatsächlich im Medium der Fotografie: durch das Objektiv. Denn bereits seit längerem fotografiert Hubertus Hamm am liebsten mit einem etwas unmodernen, aber sehr kompakten Spiegelobjektiv. Gewöhnlich erscheint der Spiegelring, der sich in seinem Inneren befindet, nicht auf der Aufnahme, doch Hamm benutzt diese Optik derart unorthodox, so dass der Spiegel sich in den Glanzlichtern der Aufnahme abbildet. Man sieht überall kleine leuchtende Kreise. Diese Bilder halten viele für aufwendige Computervisualisierungen, doch sie sind in Wirklichkeit die Summe der vielen Spiegelbilder. Das ganze Bild, im Großen wie im Kleinen, ist die Summe aus unendlich vielen Blicken in einem geformten Spiegel.

Die Welt im konvexen Spiegel hat Hubertus Hamm nachhaltig fasziniert. Alles verändert sich. Details verschwinden. Gleichzeitig steigern sich die Emotionen. Bekanntes erscheint plötzlich bedrohlich und fremd.

Wenn Hubertus Hamm bei seiner Wandarbeit nun die Kamera um den Spiegel weglässt, so öffnet er gewissermaßen die Büchse der Pandora. Er überlässt es damit uns, dem Betrachter, selbst einen Ausschnitt und ein Motiv zu wählen. Das, was wir sehen, haben wir damit tatsächlich selber in der Hand. Doch durch die Form des Spiegels wird etwas anderes weiterhin vorbestimmt: das Wie.

Und dieses Wie ist verstörend. Die Welt entgleitet uns im Blick durch den Spiegel. Großes wird klein, gerades wird schief, kleines wird groß. Und wieder stellt sich die Assoziation von Computervisualisierungen ein, als wäre eine Kamera durch den Raum geflogen und hätte diese Erlebnisse irgendwie in ein Bild zusammengeschoben. Ständig ändert sich die Perspektive. Es sind Blicke in eine Welt, die aus den orthogonalen Fugen geraten ist. Je näher man herangeht, umso taumelnder wird der Blick.

Tritt man jedoch zurück und sieht aus der Ferne die gesamte Wand, so erkennt man hier Motive: glitzernde Flüssigkeitssäulen. Die erste Säule am Eingang erinnert an Wasser. Sie ist völlig klar und brillant. Die zweite schimmert leicht golden und warm. Die dritte hat ein unglaublich tiefes Blau, das je nach Blickwinkel bis zu völligem Schwarz absinken kann, wie der Blick in die endlose Tiefe eines Ozeans. Panta rhei – alles fließt. Alles ist in Bewegung. Alles verändert sich.

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